Kolenfeld
Kolenfeld wird 1128 erstmals erwähnt: in einem Güterverzeichnis, das den Hof „Callenfeldt“ als abgabepflichtig gegenüber dem Kloster Marienmünster aufführt. Dieses Kloster war von den Grafen von Schwalenberg (südlich von Pyrmont) gestiftet worden. 1173 übertrug Graf Konrad von Schwalenberg dem Freien Hameko aus Mardorf den Hof in Kolenfeld.
Auf dem Gebiet des heutigen Kolenfeld befanden sich aber noch mehrere weitere Dörfer: Detwerdesdorpe, Hukesmere, Ewippe, Westenem, Düendorf und Nenstede, zu dessen 1181 erstmals erwähnter Kirche die anderen Orte eingepfarrt waren. In all diesen Dörfern erwarb das Kloster Loccum im 12. und 13. Jahrhundert Ländereien. Um diesen verhältnismäßig großen Besitz zusammenzufassen und zentral zu verwalten, wurde in Kolenfeld, wo Loccum den größten Landbesitz hatte, eine „Grangie“, also ein relativ eigenständiger Großhof des Klosters, gebildet. Diese Zentralisierung war wohl die Ursache dafür, dass die anderen Dörfer im Verlauf des Spätmittelalters verlassen und zu Wüstungen wurden. Ende des 14. Jahrhunderts, zu einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs des Klosters, wurde die Grangie dann aufgelöst, der Besitz zerfiel in drei Gruppen:
- den Resthof des Klosters (den späteren Mönchehof), der nach dem Ende des klösterlichen Lebens infolge der Reformation verpachtet wurde (von 1924 bis 1975 an die damalige Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt, das heutige Landeskrankenhaus Wunstorf, anschließend privat),
- den Besitz anderer Grundherrn,
- die zinspflichtigen Meierhöfe.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts verringerte sich der politische Einfluss des Klosters zugunsten der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Diesen gelang es, ihre Territorien weiter zu vergrößern, zusammenzufassen und zu ordnen. Dabei entstand das Amt Blumenau mit Sitz im vormaligen Schloss der Grafen von Roden/Wunstorf. Zum Amt Blumenau gehörte für die folgenden vier Jahrhunderte auch das Dorf Kolenfeld.
Im 16. und 17. Jahrhundert hatte das Dorf mehrmals unter Kriegseinwirkungen zu leiden: Während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) wurde es von den Truppen des Bischofs von Hildesheim in Brand gesetzt. 1552, während der Reformationskriege musste das Dorf die Truppen Herzog Heinrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel mit Lieferungen von Proviant und Hausrat unterstützen. Auch unter dem Dreißigjährigem Krieg hat Kolenfeld stark gelitten: 1640 war im Amt Blumenau ein schwedisches Regiment einquartiert, Kolenfeld musste dabei überproportional große Lasten tragen. Zudem war der Mönchehof wiederholt überfallen, das Vieh weggetrieben, Gerät geraubt worden. Allerdings wurde das Dorf nicht zerstört, im Gegensatz etwa zu Wunstorf. Trotzdem blieb Kolenfeld infolge der Kriegslasten für lange Zeit ein armes Dorf. Trotz großer Baufälligkeit dauerte es z.B. über ein halbes Jahrhundert, bevor ein Kirchenneubau in Angriff genommen werden konnte, wobei mehrere umliegende Kirchengemeinden zu den Kosten beitragen mussten. 1744 wurde die alte Kolenfelder Kirche abgebrochen, nur der Turm aus romanischer Zeit (wohl der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts) wurde renoviert und blieb stehen. Ende 1747 war dann der Neubau abgeschlossen.
Neben der Niederbrennung während der Hildesheimer Stiftsfehde kam es noch zu drei weiteren Großbränden: 1586, 1729 und 1811. Während über den zweiten Brand nicht viel bekannt ist, wurden beim ersten acht Menschen getötet; beim dritten, 1811, kam ein Kind ums Leben, 200 Stück Vieh starben; 141 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, wodurch 483 Menschen obdachlos wurden. Die Not war so groß, dass ein staatlicher Plan zur Wiederherstellung des Dorfes erstellt wurde. Einige noch heute stehende Vierständerhäuser wurden in den Jahren 1811 und 1812 errichtet.
Im 19. Jahrhundert wurden nicht nur die Agrarreformen mit den Ablösungen der Grundlasten und den Gemeinheitsteilungen durchgeführt, auch die Verwaltungsstrukturen änderten sich. 1859 wurde das Amt Blumenau aufgelöst und Kolenfeld zum Amt, später Kreis Neustadt eingegliedert; ein Gemeindeausschuss wurde im gleichen Jahr zur dörflichen Selbstverwaltung eingesetzt.
Während der Industrialisierung in der zweiten Hälfte und vor allem am Ende des 19. Jahrhunderts blieb Kolenfeld – im Gegensatz zum Nachbarort Luthe – frei von Industrieansiedlungen, der landwirtschaftliche Charakter blieb beibehalten. Allerdings lieferte die Mergelgrube Mergel für die Wunstorfer Zementfabrik. Transportader war der sogenannte Mergelwurm.
Im Kaiserreich wurde auch das Kolenfelder Vereinswesen begründet, zunächst als reine Männerangelegenheit: 1874 entstand der Männer-Gesangverein, 1898 der Kriegerverein, 1911 der Männerturnverein (MTV, seit 1947 TSV Kolenfeld).
Die Weltkriege forderten vom Dorf Kolenfeld einen hohen Tribut: 45 Tote kostete der Erste Weltkrieg; der Zweite Weltkrieg sogar 151 Tote, ein Achtel der Vorkriegs-Dorfbevölkerung. Wie anderswo bedeutete das Kriegsende in Kolenfeld das Abschneiden alter Traditionen und den Beginn neuer Herausforderungen und Entwicklungen. Der Kriegerverein überlebte das Kriegsende nicht; auch der 1937 gegründete Schützenverein musste zunächst aufgelöst werden, konnte jedoch 1952 neu gegründet werden. Auch Kolenfeld nahm eine große Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen auf, so dass sich die Dorfbevölkerung im Jahre 1950 gegenüber der Vorkriegs-Einwohnerzahl fast verdoppelt hatte (trotz der zahlreichen Kriegstoten). Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform wurde Kolenfeld 1974 zur Stadt Wunstorf eingegliedert.
Heute ist Kolenfeld in der Region und überregional vor allem durch seine Infrastruktureinrichtungen bekannt: Der dortige Autobahnanschluss dient dem Gebiet Wunstorf/Steinhuder Meer und Barsinghausen/Deister als Anschluss an das überregionale Straßenverkehrsnetz; an das Wasserstraßennetz ist Wunstorf durch den Kolenfelder Mittelandkanal-Hafen angeschlossen. Außerdem ist die Kolenfelder Mülldeponie die Entsorgungs-Einrichtung der Stadt (der westlichen Region Hannover).
Literatur und Quellen:
- Heinrich Lathwesen: Kolenfeld. Die Geschichte eines calenbergischen Dorfes, 1961
- Die Kunstdenkmale des Kreises Neustadt am Rübenberge. Textband. Bearb. v. A. Nöldeke u.a., Osnabrück 1979, S 81-87.
- Heiner Wittrock: Landeskrankenhaus Wunstorf. Von der Korrektionsanstalt zum modernen Fachkrankenhaus (1880-2005), Wunstorf 2005